Produktnormen

Anforderungen an Pflasterklinker
Der Anwender kann zwischen zwei Produktqualitäten wählen: dem europäischen Pflasterziegel nach DIN EN 1344 und dem in Deutschland bewährten Pflasterklinker, der zusätzlich die Anforderungen der DIN 18503 erfüllt. Beide Produkte tragen das CE-Zeichen. Pflasterklinker erfüllen darüber hinaus besondere Anforderungen an die Begrenzung der Wasseraufnahme und Einhaltung der Mindestscherbenrohdichte.

DIN EN 1344:2013-12 Pflasterziegel- Anforderungen und Prüfverfahren
Pflasterziegel und der bis zur Sinterung gebrannte Pflasterklinker werden nun europaweit nach den gleichen Prüfverfahren bewertet und gekennzeichnet. Um die Vielfalt der Verwendungsbedingungen für Pflasterziegel in Europa zu berücksichtigen, definiert die europäisch harmonisierte Norm unterschiedliche Qualitätsklassen, z.B. drei Klassen für das Abriebverhalten (A1 – A3), vier Klassen für den Rutsch- und Gleitwiderstand (U0 – U3) und fünf Klassen für die Festigkeit (T0 – T4). Die jeweils höchste Klasse entspricht dabei näherungsweise den Anforderungen der alten DIN 18503.

Werden Pflasterarbeiten auf der Grundlage der ATV DIN 18318 Verkehrswegebauarbeiten – Pflasterdecken und Plattenbeläge ausgeführt, sind die Leistungsstufen/Klassen der Technischen Lieferbedingung Pflaster (TL Pflaster-StB) zu berücksichtigen. Diese Klassen gelten in Bauverträgen automatisch für die Regelausführung gemäß DIN 18318 als verbindlich, sofern nicht in der Leistungsbeschreibung andere Festlegungen getroffen sind. Für den deutschen Verwendungsbereich ist immer die höchste Anforderungsklasse nach der europäischen DIN EN 1344 einzuhalten. Im Einzelnen ist das für:

– Maßspanne – Klasse R1
– Biegebruch – Klasse T4
– Abriebwiderstand – Klasse A3
– Frost-Tau-Widerstand – Klasse FP100
– Gleit-/Rutschwiderstand – Klasse U3.

Maßspanne bzw. Maßhaltigkeit
Zur Prüfung der Maßhaltigkeit und der Maßspanne werden an jeweils zehn Pflasterziegeln bzw. Pflasterklinkern mit einem Messschieber gemäß DIN EN 1344 deren Länge, Breite und Dicke gemessen. Für jedes gemessene Maß wird der Mittelwert sowie der größte und der kleinste Messwert angegeben. Die Abweichung des Mittelwertes darf für jedes Maß nicht größer sein als das 0,4-fache der Quadratwurzel des vom Hersteller angegebenen Nennmaßes d in (mm). Als Nebenanforderung gilt, dass innerhalb einer Lieferung für das gleiche Projekt die Differenz zwischen dem größten und dem kleinsten Messwert in der Klasse R1 für jedes Maß nicht größer als das 0,6-fache der Quadratwurzel des vom Hersteller angegebenen Nennmaßes d betragen darf.

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Frost-Tau-Widerstand
Für die Prüfung des Frost-Tau-Widerstandes nach DIN EN 1344 werden die Pflasterziegel 24 Stunden im Wasserbad bei 80 °C gelagert. Anschließend werden die Pflasterziegel in einem Prüfrahmen angeordnet und befrostet, so dass nur eine Seite unmittelbar dem Frost ausgesetzt ist. Der Pflasterziegel wird durchgefroren, bis das gesamte aufgenommene Wasser gefroren ist. Das Wasser nahe der Oberfläche der Pflasterziegel wird mehrmals getaut und wieder gefroren. Anhand der Beschädigungen der Pflasterziegel bzw. Pflasterklinker nach 100 Frost-Tauwechseln wird deren Widerstandsfähigkeit ??

Die Klasse F0 ist damit in Deutschland nur für den Innenbereich geeignet. In der Klasse FP100 wurde die Frost-Tauwechselprüfung ohne nennenswerte Schäden überstanden. Diese Eigenschaft wird von herkömmlichen Enteisungssalzen nicht beeinflusst.

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Biegebruchlast (Festigkeit)
Das Tragverhalten eines Pflasterklinkers in der Pflasterdecke ist wesentlich abhängig von der Tragfähigkeit der Unterlage. Bei ungleichmäßiger Auflagerung können jedoch erheblichen Biegebeanspruchungen auftreten. Für befahrene oder durch nennenswerte statische Lasten Beanspruchte Klinkerpflasterflächen sollte daher in jedem Falle die Biegebruchlast-Klasse T4 verwendet werden. Die Biegebruchlast wird an zehn angefeuchteten Pflasterziegeln bzw. Pflasterklinkern geprüft, die an den Enden aufgelagert und mittig bis zum Bruch belastet werden. Es werden vier Biegebruchlastklassen unterschieden. Alternativ zur Biegebruchlast kann die geschätzte Biegezugfestigkeit des Probekörpers (in N/mm²) nach folgender Gleichung ermittelt werden:

Dabei sind:
L  Bruchlast [N]
S  Abstand zwischen den Trägern [mm]
w  Gemessene Breite des Pflasterziegels [mm]
t  Gemessene Dicke des Pflasterziegels [mm]

Geschätzte Zugfestigkeit = 3/2  x LS/wt2

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Abriebwiderstand
Die Prüfung des Abriebwiderstandes erfolgt gemäß DIN EN 1344 mit dem Capon-Test an unpolierten Pflasterziegeln bzw. Pflasterklinkern. Der Abriebwiderstand wird durch Messung des Volumenverlustes einer Schleifspur bestimmt, die in der Oberfläche des Pflasterziegels durch eine Schleifscheibe bei festgelegten Bedingungen und unter Zusatz eines Schleifmittels erzeugt wird. Der Widerstand gegen Tiefenverschleiß wird aus der Sehnenlänge l der Schleifspur berechnet und als Volumen V des abgeriebenen Werkstoffs in mm³ angegeben. Es werden drei Klassen des Abriebwiderstandes unterschieden.

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Gleit-/Rutschwiderstand
Der Gleit-/Rutschwiderstand wird gemäß DIN EN 1344  mit dem SRT-Pendelgerät (Skid Resistance Tester) an unpolierten Pflasterziegeln bzw. Pflasterklinkern gemessen. Anhand des Messwertes (Unpolished Skid Resistance Value) erfolgt eine Einstufung in vier Klassen. Der Hersteller deklariert gemäß der in Tabelle 5 der EN 1344 vorgesehenen Anforderungsklassen von U0 bis U3 (USRV = 55). Diese Angabe gilt nur für die deklarierte Gebrauchsfläche (z.B. für die Flachverlegung der Lagerfläche).

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DIN 18503:2003-12 Pflasterklinker – Anforderungen und Prüfverfahren
Zusätzlich zum “europäischen” Pflasterziegel nach DIN EN 1344 gibt es auch weiterhin den in Deutschland bewährten Pflasterklinker nach DIN 18503:2003-12. Pflasterklinker sind Pflasterziegel nach DIN EN 1344, jedoch zusätzlich mit besonderen Anforderungen an die Wasseraufnahme und die Scherbenrohdichte. Da die europäische Norm nicht alle national gebräuchliche Produktmerkmale beinhalten kann, ist die DIN 18503 teilweise erhalten geblieben. Hierzu wurde im Dezember 2003 eine Ergänzungsnorm herausgegeben: die DIN 18503:2003-12. Die neue DIN 18503 beinhaltet den gesamten Regelungsgehalt der DIN EN 1344 und ergänzt die für die Klinkerqualität ausschlaggebenden Kriterien der “Wasseraufnahme” und der “Scherbenrohdichte”:
Wasseraufnahme: max. 6 M-%
Scherbenrohdichte: min. 2,0 kg/dm3 (Mittelwert), min. 1,9 kg/dm3 (Einzelwert)

Wasseraufnahme
Die Wasseraufnahme von Pflasterklinkern darf 6 M.-% nicht überschreiten. Wenn die Probenahme nach DIN EN 1344:2002-07, Anhang A. erfolgt und die Messung nach DIN EN 1344:2002-07, Abschnitt C.3.2, durchgeführt worden ist, darf für Pflasterklinker höchstens eine Wasseraufnahme von 6%, bezogen auf die Masse, vorhanden sein.

Scherbenrohdichte
Die Scherbenrohdichte von Pflasterklinkern muss mindestens 2,0 kg/dm³ (Mittelwert) bzw. mindestens 1,9 kg/ dm³ (Einzelwert) entsprechen. Wenn die Probenahme nach DIN EN 1344:2002-07, Anhang A, erfolgt und die Messung nach DIN EN 1344:2002-07, Abschnitt C.3.2, durchgeführt wurde, muss mindestens ein Mittelwert von 2,0 kg/dm³ und ein Einzelwert von mindestens 1,9 kg/dm³ festgestellt werden. Bei der Kennzeichnung der Scherbenrohdichte durch den Hersteller erfolgt lediglich die Angabe des Mindestwertes für den Mittelwert.