Wissenswertes vom Gartenseminar

Heute möchte ich Ihnen meine Eindrücke von einem Gartenseminar schildern, das ich dieses Frühjahr bei dem bekannten Buchautor und Garten- und Landschaftsarchitekt Manuel Sauer in Bonn besucht habe:
Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist, den Garten als Raum mit Charakter zu begreifen. Die zwei Prinzipien bei der Gartenplanung sind die Raumbildung und die Raumwirkung. Die Raumbildung ist als Konstruktion des Raumes zu verstehen, z.B. durch die äußere Einfassung. Und die Raumwirkung als Wahrnehmung des Raumes. Die Raumwirkung wird z.B. durch die Blickführung mittels Symmetrie bestimmt, durch die Proportion, durch Wiederholung und Rhythmus, durch Blickpuffer und Blickfangwiederholungen. Einzelelemente wie z.B. ein Kunstobjekt oder ein historischer Brunnen können die Raumwahrnehmung steigern. Zu einer besonderen des Gartens Raumwahrnehmung trägt auch ein schlüssiges Lichtkonzept bei, das im Randbereich besonders wichtig ist.

Einfassung des Gartenraums
Zum Aufbau einer Räumlichkeit im Garten ist die Einfassung sehr wichtig. Der Augenhorizont ist entscheidend, wie die Einfassung des Raumes erlebt wird. Infrage kommen Einfassungen aus Holz, Stein, Ziegel und Hecken. Eine Ziegelmauer ist eine sehr gelungene Art der Randeinfassung. Ziegelmauern können aber auch mit Holz oder Naturstein-Gabionen eine architektonisch reizvolle Einfassung bilden. Genauso sind Hainbuchecken im Wechsel mit Naturstein-Gabionen denkbar.

Eingrenzung1Kulisse
Kulisse schaffen
Gestalterisch sollte immer ein hochwertiger Hintergrund geschaffen werden, d.h. Kulisse aufbauen so wie im Theater. Der Sichtschutz zum Nachbarn spielt bei der Konstruktion des Gartenraumes funktional und ästhetisch eine entscheidende Rolle. Weist z.B. das Grundstück eine Trapezform auf, sind Überlegungen durchaus berechtigt, auch bei der Terrasse und den Pflanzbeeten oder beim Sonnendeck mit der Trapezform zu spielen.
Wegführung beachten
Die Tiefe des Raumes sollte immer erhalten bleiben. Wenn ein Flächenmuster aufgebaut wird, ist die „Verkehrsführung“ im Garten zu beachten, d.h. wie soll der Weg oder die Wegführung sein, um zur Garage, zum Gartenhaus etc. zu kommen.
Prinzip „Garten begehen“
Genau wie in einem Wohnzimmer, das man auch nicht nur durch die Eingangstüre betrachten will, sondern auch von der Sitzecke oder anderen Blickwinkeln aus, verhält es sich mit dem Garten. Man betrachtet den Garten auch nicht ausschließlich von der Terrasse aus. Dafür braucht man „Ziele“ im Garten. Und ein solches „Ziel“ kann sein, sein Zuhause mal aus einer anderen Perspektive anzuschauen. Eine sehr wohl durchdachte englische „Gartenweisheit“ ist, sich sein Zuhause vom am weitesten möglichen Punkt im Garten zu betrachten. Und genau dort einen zweiten Sitzplatz als Terrasse oder als Platz mit einer romantischen Gartenbank anlegen, als Blickpunkt auf Haus und Garten, als ebenbürtiger Sitzplatz zur Terrasse am Haus.
Räume schaffen, Rhythmus aufbauen
Der Raum kann bewusst in Einzel-Räume aufgeteilt werden. Folgende Flächen sind im Garten zu planen: Rasenfläche, eventuell als Rasenskulptur behandeln, Wasserfläche, Pflanzfläche, Terrassenfläche und Wegflächen.
Einen Raum im Garten zu bilden kann z.B. durch einen Pavillon erfolgen. Aus Mauern und Bäumen lässt sich ein Rhythmus aufbauen. Ein 3-er-Rhythmus aus Bäumen gestaltet sich im Garten äußerst dekorativ. Geeignet ist z.B. die Felsenbirne als heimisches Gehölz, sie ist robust und lässt sich gut schneiden. Ein Rhythmus lässt sich auch sehr gut mit Eibencanapees aufbauen, z.B. drei viereckige Flächen aus kniehoch geschnittenen Eibenflächen.

RaumwirkungKunst
„Blickziel“ im Garten
Im Garten sollte immer ein „Blickziel“ gefördert werden, der Blick belohnt werden, z.B. durch ein Kunstobjekt, eine Pergola oder wenn ein Wasserbecken einen Hauptorientierungspunkt darstellt, soll das Auge den Blick auf das Wasserbecken als Belohnung empfinden. Blickpunkte schaffen Führung durch den Raum und Orientierung.
Für die Auswahl der Pflanzen gilt: Botanische Vielfalt bringt Unruhe in den Garten. Bei der Gartenplanung geht es um die Synthese aus schlichtem „Funktionieren“ eines Gartens und aus ästhetischem Raumgefühl in der Natur. Garten und Haus gehören zusammen, also immer an eine Gesamtheitlichkeit denken.

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